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Beuermann
 
Guter Gleichgewichtssinn gefragt: Diana übt das Gehen auf dem Schwebebalken.
Serie, Teil 6: Turnen – Helmut Stensch trainiert seit 57 Jahren den Kunstturn-Nachwuchs

Wenn die Turnerinnen der ASC-Leistungsgruppe mittwochs zum Training in die Sporthalle Geismar I kommen, heißt es erst einmal Geräte aufbauen. Da werden Matten geschleppt, der Schwebebalken aus dem Geräteraum gerollt und die Stangen für das Reck herbeigetragen. Das ist den etwa 25 Mädchen im Alter von fünf bis 16 Jahren zwar manchmal ziemlich lästig, aber es geht nun einmal nicht anders.

„Immerhin haben wir durchgesetzt, dass wir längere Trainingszeiten haben“, erklärt Helmut Stensch, der für die Turnabteilung des ASC verantwortlich ist und die Mädchen zusammen mit drei weiteren Betreuerinnen trainiert. Zweieinhalb Stunden dauert das Training der Kunstturnerinnen. „Das hört sich lange an, ist es aber nicht“, erklärt Co-Trainerin Julia Wetzel. Denn nach dem aufwändigen Geräteaufbau ist das Aufwärmen dran – und das dauert ziemlich lange. Zunächst müssen die Mädchen laufen, dann stehen ausgiebige Dehnübungen auf dem Programm. Es sei sehr wichtig, erklärt Wetzel, dass alles, was beim Training belastet wird, gut aufgewärmt werde. Das gilt besonders für die Sprunggelenke. Auch Grundlagen wie Handstände, Räder oder Rollen werden während des Aufwärmtrainings geübt. Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren die Mädchen der Wettkampfgruppen. „Eigentlich müsste man viermal pro Woche üben und zusätzlich noch Ballett machen, um in die höheren Leistungsklassen zu kommen“, meint Stensch. „Aber das ist zu aufwändig, da haben wir uns von verabschiedet.“ Ein leichtes Bedauern klingt mit, wenn er das sagt. Erfolgreich sind seine Mädchen aber dennoch: Regelmäßig fahren sie zu Meisterschaftswettkämpfen.

Für solche Wettkämpfe sind bestimmte Pflichtübungen vorgeschrieben, daher gibt es einen genau ausgetüftelten Trainingsplan. Ein Problem sei, dass das Training in vier verschiedenen Hallen stattfinden muss. „Das ist sehr schwierig für uns, weil überall die Geräte gebraucht werden“, erklärt Stensch. Den neuen Sprungtisch, der bei Wettkämpfen den Kasten ersetzen soll, gebe es aber nur in einer Halle, weil er sehr teuer sei.

Nach dem Aufwärmtraining werden die Mädchen je nach ihrer Leistung in vier Gruppen aufgeteilt und es geht an die verschiedenen Geräte. Maximal acht Nachwuchs-Turnerinnen können gleichzeitig beaufsichtigen werden, erklärt Stensch. Am Boden müssen die Mädchen heute die Pflichtübungen für die bevorstehende Kreismeisterschaft üben. Die einzelnen Elemente klappen schon ganz gut, aber die richtige Reihenfolge zu behalten, ist gar nicht so einfach. Wenn dann alles noch auf die Musik passen soll, ist bei den ersten Proben das Chaos perfekt. Doch die Trainerinnen sind geduldig und gehen die Übungen immer wieder durch. Am Stufenbarren übt derweil eine andere Gruppe Aufschwünge. Hier hilft eine kleine blaue Plastikpuppe dabei, die richtigen Bewegungsabläufe zu zeigen.

Alle Geräte beherrschen

Während die Größeren am Boden und am Stufenbarren trainieren, üben die Kleinsten am Schwebebalken. „Den Kopf hoch, nicht auf die Füße gucken“, kommandiert die Trainerin. Mit ausgestreckten Armen stolzieren die Mädchen vorwärts und rückwärts über den Schwebebalken und probieren kleine Sprünge aus. „Am Anfang haben sie oft Angst wegen der Höhe, aber das gibt sich schnell“, weiß die Trainerin. Später müssen die Kleinen auf allen vieren über die Holme eines Barren balancieren. „Eine Stützübung“, erklärt Wetzel. Auch die Bauchmuskeln müssen trainiert werden, und nach einer Runde am Reck sind die meisten Mädchen ganz froh, wenn es wieder an ein anderes Gerät geht. Nicht alle Geräte sind gleich beliebt, weiß Trainer Stensch. „Aber für die Wettkämpfe müssen die Mädchen nun mal alle Geräte beherrschen.“

Bei vielen Kindern hat Stensch, der seit 1948 als Trainer tätig ist, bereits die Mütter trainiert. „Das setzt sich in Generationen fort.“ Das Interesse am Turnen sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, freut er sich. Neben dem Leistungsturnen gibt es beim ASC auch allgemeine Turnkurse, bei denen es spielerischer zugehe, erklärt Stensch. „Da werden zum Beispiel Gerätelandschaften aufgebaut und Spiele gespielt.“ Auch Rhönradturnen hat der Verein im Programm. Aber Stenschs Herz schlägt nun einmal für das Kunstturnen: „Eine vielseitigere Sportart gibt es kaum. Bei Mehrkämpfen kommen ja auch noch Schwimmen und Leichtathletik dazu“, macht er Werbung für seine Sportart.

 
GT, 01.02.05
 
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