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   GT-Serie "Mein Sport"
„Kinder können Gefährlichkeit gut einschätzen“
SPF
Konzentration: Auch wenn es am Schießstand voll ist, soll die Leistung stimmen.
 
Am Schießstand herrscht Ruhe, es wird nicht viel geredet. Wenn, dann geben die Trainer nur sehr leise Tipps oder Anweisungen. Erfolge mit dem Luftgewehr oder der Luftpistole gehen einher mit Konzentration.
Der KKSV Friedland hat nicht nur eine der größten, sondern auch erfolgreichsten Nachwuchsabteilungen im Kreis. 26 der 133 Vereinsmitglieder sind Jugendliche, die regelmäßig bei Meisterschaften – bis hin zur Teilnahme an den „Deutschen“ – und Pokalschießen vorn mitmischen. Zweimal pro Woche haben die 24 Jungen und zwei Mädchen beim Training die Gelegenheit sich zu verbessern.

Die Jugendleiter Frank Hoffknecht und Jürgen Knape sind ausgebildete C-Trainer, die von den drei Jugendwarten Silvia Knape, Alexander Meschke und Phillip Plomer unterstützt werden. Kommt ein interessierter Jugendlicher erstmals zum Training in das 1989 neu erbaute Schützenhaus, erhält dieser zunächst einmal eine genaue Einweisung. „Wir erklären die Technik und Funktion der Waffen. Dann beginnt die Basisarbeit im stehenden Anschlag“, erzählt Hoffknecht. Auf dem Zehn-Meter-Stand des Vereins wird zunächst auf schwarze Streifen, bei entsprechenden Trainingserfolgen dann auf Scheiben geschossen.

Eltern immer willkommen

Immer wieder kommt es vor, dass Eltern Bedenken haben, wenn ihre Kinder zum Schießen gehen möchten. „Wir kennen die Vorbehalte. Seit dem Schulattentat in Erfurt durch einen Sportschützen befinden sich die Vereine in einer schwierigen Situation“, berichtet Hoffknecht. Er und Knape lassen die jungen Schützen jedoch keinen Moment aus den Augen und werden nicht müde, sie zu sensibilisieren: „Die Waffe ist ein Sportgerät, es wird nicht auf Menschen gezielt. Die Kinder können die Gefährlichkeit sehr gut einschätzen.“ Eltern können jederzeit vorbeischauen, um sich zu informieren.

Aber nicht nur die Technik und der richtige Umgang mit der Waffe werden im Training angesprochen, auch die körperlichen Voraussetzungen für Erfolge bei Wettkämpfen werden geschaffen. „Vor den Schüssen wird sich gedehnt, denn die Schultermuskulatur ist ja doch stark beansprucht. Außerdem ist eine kontrollierte Atmung notwendig“, so Hoffknecht, der seinen Schützlingen empfiehlt, neben dem Schießen noch einen anderen Sport auszuüben. So ist von Tischtennis über Fußball und Angeln bis hin zum Segeln alles dabei.

Neben den überdachten Friedländer Schießständen, die ein ganzjähriges, vom Wetter unbeeinflusstes Training möglich machen, findet der Nachwuchs beim KKSV ein optimales Umfeld vor. Die Schießanzüge, -handschuhe und Waffen werden den Kindern zur Verfügung gestellt, für die Jüngsten sind auch leichtere Juniorgewehre vorhanden. Ein eigenes Gewehr empfiehlt Hoffknecht erst dann, „wenn im Wettkampf von 200 möglichen etwa 160 Ring getroffen werden“.

Spezialkonstruktion für Kieser

Für Felix Kieser steht so eine Anschaffung in naher Zukunft an. Vor 14 Jahren kam er ohne Arme zur Welt, eine Spezialkonstruktion ermöglicht es ihm, diesen Sport auszuüben. Auf einem Tisch sitzend drückt er mit dem großen Zeh seines linken Fußes ab. Das Luftgewehr hängt in einer ziemlich wackeligen Konstruktion, dennoch erreicht er im Training mal eben beachtliche 171 Ring.

Zur Optimierung der Ergebnisse setzen die Trainer regelmäßig auch Digitalkamera und Laptop ein. „So können wir nach dem Training die Fotos mit den Jugendlichen gemeinsam anschauen und Verbesserungsvorschläge geben“, sagt Hoffknecht.

Jugendarbeit sichert Zukunft

Erfreulich für den Vorsitzenden Harry Babacz ist, dass die erwachsenen Vereinsmitglieder das Engagement in der Nachwuchsarbeit mittragen. „Bei 12,50 Euro für einen Schüler jährlich ist die Jugendarbeit ein Zuschussgeschäft. Die Kinder haben alles umsonst. Sie sind aber auch unsere Zukunft. Ohne Nachwuchs ist der Verein irgendwann einmal überaltert“, gibt er zu bedenken.

Um die sportliche Anziehungskraft noch zu erhöhen, wurde eine Biathlon-Anlage angeschafft, die für Lauf-Schieß-Wettbewerbe im Sommer genutzt wird. „Diese Sportart hat dem Schießen einen Imagegewinn gebracht“, sagt Hoffknecht, der mit seinem Trainerkollegen Knape alles daran setzt, die Attraktivität des Schießsports in Friedland weiter zu steigern.

 
Göttinger Tageblatt, 22. März 2005
Kathrin Lienig
 
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