| Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass das neue Gruppenbad an der Eiswiese von Vereinen und Schulen in Betrieb genommen werden konnte. Im Vorfeld war viel diskutiert worden, und es hatte eine Reihe von Bedenken und Vorbehalten gegeben, denn mit der Inbetriebnahme des neuen Bades wurden zugleich die Lehrschwimmbecken in Weende und Geismar geschlossen. Würden die Nutzer der Stadtteilbäder nun auch das Bad in der Eiswiese annehmen und den längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen? Welche Möglichkeiten bestünden überhaupt noch für den Wettkampfsport der Vereine in Anbetracht des äußerst schmalen Beckenumgangs, und welche neuen Bedingungen würden sich für die Schulen ergeben?
Sportissimo befragte zunächst Alexander Frey, Prokurist der GoeSF, nach der Auslastung des Gruppenbades: „Die Landkreisschulen nutzen das Bad bereits in gleichem Ausmaß wie zuvor die Hallen in Weende und Geismar. Zwar haben wir im Vormittagsbereich noch einige Kapazitäten für Schulen frei, aber dies ist im Moment eher von Vorteil, weil größere Schulen nun die Möglichkeit haben, ihre Schwimmzeiten zu bündeln, flexibel zu gestalten und insbesondere die Anfahrtswege gut zu organisieren. Die anfänglich große Skepsis ist jedenfalls sehr schnell verflogen.“
Wasser- und Lufttemperatur angehoben
Dies erklärt sich wohl auch dadurch, dass die GoesF nach den Startschwierigkeiten sehr unbürokratisch auf Vorschläge und Ideen der Nutzer eingegangen ist. „Auf Wunsch der Vereine haben wir eine Kaltwasserdusche nachgerüstet, und für die Schulen wurden Lehrerumkleiden gebaut, die in der ersten Planung noch gefehlt hatten“, erläutert Frey. Ein von fast allen Nutzern genannter Kritikpunkt bleibt allerdings die Wassertemperatur. Insbesondere jüngere Kinder froren, auch die Angebote für Wassergymnastik und Aquajogging waren deshalb kaum möglich, obwohl andererseits die Wassertemperatur von 26° Grad dem Standard entspricht (was auch die telefonische Nachfrage bei DSV-Schwimmtrainer Beckmann bestätigte!). Dennoch reagierte GoeSF-Geschäftsführer Hans-Joachim Perk auch hier auf die Bedürfnisse der Betroffenen: Die Wassertemperatur wurde inzwischen auf 27° erhöht, die Lufttemperatur ebenfalls um 2° angehoben.
Waspo O8 verzeichnet Mitgliederzuwachs
„Das war gut und notwendig“, bekräftigt auch Rolf Nietzold, stellvertretender Vorsitzender des Schwimmvereins Waspo 08. „Für die jüngeren Kinder war es zu kalt, und auch unsere Aquajogginggruppe hat sich zunächst sehr schwer getan. Abgesprungen ist aber niemand, und inzwischen hat sich unser Mitgliederstand in allen Bereichen deutlich nach oben entwickelt.“ Nietzold führt dies u. a. auf den Werbeeffekt zurück, dass das Bad von außen gut einsehbar sei und damit das Interesse der Besucher wecke. „Das Nichtschwimmerbecken ist zwar relativ klein, so dass unsere Anfänger-Schwimmkurse weniger Teilnehmer aufnehmen können, und allzu große Wettkämpfe können wir wegen des schmalen Beckenumganges nicht durchführen“, räumt Nietzold ein. „Aber in Zeiten, wo andernorts Bäder geschlossen werden, haben wir hier ein neues, sehr modernes Schwimmbad erhalten, und eine Geschäftsleitung, die sehr bemüht ist und unsere Bedürfnisse ernst nimmt. Das finde ich absolut positiv, wir sind vollauf zufrieden“.
„Tranzparenz nach draußen sorgt für gute Stimmung“
Ähnlich äußert sich auch die Fachbereichsleiterin Schwimmen des ASC, Christina Brütt-Klement: „Wir haben einen echten Zuwachs in unseren Gruppen, und dieses Bad bedeutet eine wirkliche Bereicherung für uns. Anders als im Badeparadies, wo wir vorher trainiert haben und die Öffentlichkeit gerade die Kinder manchmal sehr abgelenkt hat, können sich die Schwimmer hier voll auf das Training konzentrieren. Und die Transparenz nach draußen sorgt gleichzeitig auch für eine gute Stimmung insgesamt. Dieses Gruppenbad ist ein tolles Angebot für den Sport und die Jugend in Göttingen." Ihr Verein hat bereits zwei Wettkämpfe in dem neuen Gruppenbad durchgeführt und durch geschickte Organisation auch den Platzmangel kompensiert. „Wettkämpfe sind schon möglich“, bestätigt auch Uli Höhler, die ebenfalls Schwimmgruppen des ASC trainiert. „Da sich die Teilnehmer der Heimatvereine ausnahmsweise in den Gruppen-Umkleidekabinen des Badeparadieses umziehen konnten, ließ sich die Veranstaltung gut durchführen." Einige Mängel sieht Höhler allerdings doch noch: So sei das System für die Sortierung der Flossen „katastrophal“ und blockiere das Wettkampftraining, weil die Suche nach den richtigen Größen zuviel Zeit in Anspruch nehme. „Aber da sollten sich Vereinsübungsleiter und Lehrer auch besser absprechen und gemeinsam für Ordnung sorgen“, schlägt Höhler vor.
Kleine Kritikpunkte
Kritisch resümiert hingegen die KGS-Sportlehrerin Kristiane Liese ihre Eindrücke des neuen Gruppenbads. „Die Umkleideräume sind sehr eng, wenn zwei Klassen gleichzeitig Unterricht haben, und auch die Schränke sind etwas klein.“ Es gebe keine Kleiderbügel, und auch fönen könne man sich hier nicht; daraus resultiere eine gewisse Unruhe, wenn viele Gruppen zugleich anwesend seien. Zwar sei die Ausstattung mit Geräten in der Halle selbst in Ordnung, aber es fehle eine Kontrollinstanz, denn viele Gruppen räumten ihre Materialien nachlässig ein. Grundsätzlich sieht Liese ein Problem der Vormittagsstunden weiterhin darin, dass sich durch das Magnetkartensystem des Öfteren Staus vor dem Eingang bildeten und dies zu längeren Verzögerungen führe. „Eigentlich wäre ich mit meinen Gruppen lieber wieder im Badeparadies – wenn man allerdings allein im Gruppenbad Unterricht hat, dann ist es wunderbar.“ Das bestätigt auch eine Lehrerin der Personn-Realschule. „Wenn 80 Schüler zugleich Unterricht haben, dann ist das völlig chaotisch. Die Bereitstellung der Sportgeräte und die Tafeln mit verschiedenen Bewegungsabläufen, das ist alles in Ordnung“, aber mit drei Klassen sei das Bad einfach überfüllt. „Inzwischen müssen ja auch noch die krankgeschriebenen Schüler mit ins Bad, das schafft zusätzlich Unruhe. Allein im Bad, das kann ich mir gut vorstellen, habe es aber noch nicht erlebt.“
Diesen besonderen Vorzug genießt der FKG-Schüler Tharmilan Rhajakumar (11), der im Rahmen einer Schwimm-AG sein Bronze-Abzeichen im Gruppenbad erworben hat. „Ich finde gut, dass wir in dem Bad viel Platz hatten und ganz unter uns waren. Trotzdem konnte man nach draußen sehen, das war cool. Erst haben wir richtig trainiert, und manchmal durften wir uns nach dem Training dann Schwimmgeräte aussuchen und einfach ausprobieren. Einige Male war es allerdings auch ganz schön kalt“.
Zufrieden äußert sich auch Dietmar Schneider, Leiter der Fachgruppe Sport am Felix-Klein-Gymnasium: „Zwar unterrichte ich nicht selbst im Gruppenbad, aber unsere betroffenen Lehrer haben sich bisher nur positiv geäußert. Es scheint gut zu funktionieren, wer hier motzt, liegt meines Erachtens verkehrt. Die Akustik ist gut im Gruppenbad, und die ganze Situation wirkt dort unterrichtsgemäßer als im Badeparadies mit seiner Öffentlichkeit. Wir sind wirklich zufrieden.“
Diese Reaktionen zeigen: Bei den Nutzern des neuen Bades überwiegt deutlich die Zustimmung, und die anfängliche Skepsis konnte schnell überwunden werden. Es ist darüber hinaus zu erwarten, dass mit Hilfe der konstruktiven Kritik auch die noch bestehenden Probleme zur Zufriedenheit aller gelöst werden können. |