| Ein Paar Fußballschuhe von David Beckham kostet 2.800 Euro. Der englische Star von Real Madrid kennt seinen Preis. Als er 1999 heiratete, verkaufte er seine Hochzeitsfotos an die Boulevardpresse. Für 1,5 Millionen Euro. Im Zeitalter der Rabattjagden wirkt das seltsam. Wie viel Nachlass hat er gegeben? Keinen? Oder nur ein paar Millionen? Der Ruf, Geiz ist geil, schallt durch Deutschland und in ähnlicher Form durch andere Länder. Es handelt sich in diesem Fall um eine Geiz-Geilheit, die in die Millionen geht. Und keiner kümmert sich darum. Offensichtlich ist der Profisport übergeschnappt.
David Beckham hat in der Tat für die Experten die idealen Fähigkeiten. Für manche beherrscht er inzwischen bestenfalls noch angeschnittene Eckbälle und Freistöße. Aber er ist ein Meister der Vermarktung. Für die Zeitschrift L-Equipe-Magazine in Paris ist er für diesen Zweck die ideale Figur. Der Mann der 1001 Frisuren, der 101 Affären und der einen Frau aus dem Pop-Milieu. Ist das der neue Sport? Schnäppchenjäger für Millionen sind unterwegs. Auch im Sport?
Um die Überhitzung der Preise darzustellen, braucht man nur einige Beispiele anzuführen. Der Golfer Tiger Woods schließt in einem Jahr Werbeverträge über 450 Millionen Euro ab. Das Motorrad von Weltmeister Valentino Rossi kostet 750.000 Euro. Das Budget von Real Madrid beläuft sich auf 233 Millionen Euro. Für manche Gegenstände kann man durchaus den Preis verstehen, für einen Sammler zum Beispiel. Das teuerste Trikot der Welt kostet 283.000 Euro. Der Brasilianer Pele trug es bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1970. Und der sogenannte Hase in der Leichtathletik kann 10.000 Euro kassieren. Wenn er zum Beispiel Hicham El Gerouj zum Weltrekord über 1.500 Meter führt.
Es fällt auf, dass die Erfinder der Sportwerbung verhältnismäßig bescheiden geblieben sind. Es geht um die Tour de France, die für viele die Pionierrolle in dieser Art der Werbung gespielt hat. Um die Tour zu empfangen und wieder starten zu lassen, kostet das eine Stadt 122.000 Euro. Ein Platz in der Werbekarawane der Frankreich-Radrundfahrt ist für 245.000 Euro zu haben. Der Tour-Sieger (ohne Werbeeinnahmen und die Kirmesrennen) kassiert 400.000 Euro. Das Rennrad des sechsmaligen Tour-Siegers Lance Armstrong ist 6.000 Euro wert. Allerdings verbraucht er bei jeder Rundfahrt mehrere Exemplare einer solchen Sonderanfertigung. Armstrong, der dem Krebs von der Schippe gesprungen ist, versucht, für seine Organisation im Kampf gegen die Krankheit Gelder zu sammeln. Mit einem Euro ist jeder dabei.
Natürlich verkauft sich der Sport auf allen Gebieten teuer. Was kostet eine olympische Goldmedaille? Für Sammler wird eine Goldmedaille der Spiele von Sydney 2.000 schon für 4.000 bis 6.000 Euro gehandelt. Aber sonst? Eine Starter-Pistole in der Leichtathletik kostet 100 Euro. Ein Schälchen Erdbeeren in Wimbledon, ein kleines Kultessen, kostet 2,86 Euro. Der Zahnschutz eines Profiboxers ist mit vier Euro angegeben. Für einen Schiedsrichter sind die Karten, die er in seinem Spiel verteilt, fast kostenlos. Die Rote und die Gelbe Karte kosten den Unparteiischen nur etwa 1,60 Euro. Soll man dem Profisport angesichts der angehobenen Preise eine Verwarnung aussprechen? Zum Beispiel im Fußball, mit Schulden in Milliardenhöhe . Eine Gelbe Karte ist angebracht, vielleicht sogar die Rote Karte für Millionen und Abermillionen.
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