| Hat jemand gut die Hälfte seiner ersten Amtsperiode absolviert, dann ist es an der Zeit, sich zu erkundigen, wie es dem- beziehungsweise derjenigen ergangen ist. Ergo lud die Sportissimo-Redaktion die Vizepräsidentin des Landessportbundes, Dr. Michaela Czech (Groß Lengden), zum Gespräch ins Haus des Sports ein. Erinnern wir uns: im November 2002 wurde die damals 38-Jährige aus dem Kreis Göttingen in den Führungszirkel des LSB gewählt. Als Nachfolgerin des in den Dienst des Deutschen Sportbundes getretenen Klaus Witte (Sportabzeichen-Beauftragter) übernahm die Sportwissenschaftlerin das Referat ,Breitensport/Sportentwicklung‘.
Michaela Czech betrat Neuland, wenngleich nicht gänzlich ohne Rüstzeug. Denn von 1992 bis 1994 arbeitete sie hauptberuflich in der SSB-Geschäftsstelle, ehe sie anschließend zur Gmünder ErsatzKasse (GEK) wechselte. Die Krankenkasse lockte mit einer vollen Stelle. Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit war fortan eines ihrer Betätigungsfelder. Prävention spielte darin eine weitere wichtige Rolle. Trotz des vorhandenen Rüstzeugs ging es für Michaela Czech beim LSB zunächst langsam voran. „Das erste Jahr musste man erst einmal das Ganze kennen lernen: Was muss man als Vizepräsident wissen, was ist Alltagsgeschäft. Anschließend musste man sich positionieren, sich mit den Ablauf arrangieren“, schildert die Vizepräsidentin ihren Start in der Landeshauptstadt. Letztlich will auch der Umgang mit dem Hauptamt gelernt sein. Daher empfindet sie die manchem vielleicht sehr lang anmutende Amtszeit von vier Jahren als „sicherlich angemessen“.
Viermal trifft sich der Ausschuss Breitensport/Sportentwicklung in der Regel pro Jahr. Das ist nicht gerade übermäßig viel. So stellte sich gleich zu Beginn für Michaela Czech die Frage: „Wie effektiv können wir sein, wie ist der Austausch untereinander gewährleistet?“ Die modernen Kommunikationswege machen es möglich, den Ideentransfer unter den sieben Mitgliedern zwischen den Treffen aufrechtzuerhalten. Ist ein Projekt im Fachgremium gereift, geht es darum, „es wasserdicht zu machen“, bevor es zur Vorlage in das Präsidium gelangt. Es gilt unter anderem, die Frage der „technischen Umsetzung“ im Vorfeld zu beantworten – und zudem natürlich die der Finanzierbarkeit. Sind beide Dinge positiv geklärt, folgt „ein Test bei zwei, drei Sportbünden“. Um einerseits für die eigenen Vorhaben Zustimmung zu finden und andererseits frühzeitig über die der Kollegen informiert zu sein, ist für die Groß Lengderin klar: „Wir müssen Referats übergreifend arbeiten.“ Und sogleich schickt sie ein Lob hinterher: „Wir sind schon auf einem guten Weg. Es ist viel offener geworden. Es gibt engere Kontakte.“
Ein ihr wichtiges Anliegen: „Wir müssen uns verstärkt um den Senioren- und Gesundheitssport kümmern.“ Dass sich dabei Ältere für Ältere engagieren, ist für die 40-Jährige keine Utopie: „Das Potenzial ist vorhanden.“ Das könnte nach ihrer Ansicht außerdem zusätzlich für den Bereich Kinder und Jugendliche genutzt werden. Dem gilt nach wie vor die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Verantwortlichen.
„Ich möchte die Krankenkassen einbeziehen. Es ist ganz wichtig, stärker zu vernetzen, weitere Ansprechpartner zu überzeugen: Vereine, Ärzte, Apotheken. Ein Mensch allein kann das nicht bewältigen. Unser Referat muss sich dabei auch als Netzwerk verstehen, als Drehscheibe für Informationen“, erklärt die Vizepräsidentin, die die in Betracht kommenden Ministerien ebenfalls ins Boot holen will. Die Kooperation Schule/Verein „müssen wir mehr nutzen“ – das steht ebenso auf ihrer Agenda wie der „Schulterschluss mit der Sportwissenschaft“. Von ihr erwartet die Absolventin des Instituts für Sportwissenschaften am Sprangerweg „Hilfen“. Michaela Czech schwebt vor, „sportorganisatorische Themen an die Uni zu geben, Arbeitsgemeinschaften zu bilden, die sich damit beschäftigen. Es muss doch schön sein, praxisorientierte Themen an die Studierenden vergeben zu können“.
Viel Arbeit demnach noch bis zum Ende der Legislaturperiode für Michaela Czech und ihre Mitstreiter. Wie es für sie persönlich nach 2006 weitergeht – in der Beziehung wagte sie keine Prognose. Beruf (gegenwärtig in Elternzeit), Familie und Ehrenamt wollen unter einen Hut gebracht sein. Generell ist die Vizepräsidentin der Ansicht, dass sich die Menschen zukünftig im Ehrenamt „befristeten fachlichen Aufgaben zuwenden. Es wird eher eine zeitliche Bindung sein als eine durchgängige Verpflichtung“. Und: „Da würde ich mir schon eine verstärkte Beteiligung von Frauen wünschen.“ |