| In fast jedem Verein gibt es sie, aber es werden auch immer wieder welche gesucht. Sie sind es, die uns in eine Sportart einführen oder uns dabei sogar über Jahre begleiten. Und sie sorgen für ein fachlich qualifiziertes Training: die Übungsleiter. Doch wie wird man eigentlich Übungsleiter? Und welche Voraussetzungen sollte man für die Ausbildung mitbringen?
Viele spätere Lizenzinhaber engagieren sich bereits vor ihrem Ausbildungsantritt sportpraktisch in einem Verein als „Trainer“ und betreuen eine Gruppe. Manchmal jahrelang. Dabei ist der Übergang vom aktiven zum passiv betreuenden und coachenden Sport oft nahtlos. Und wenn man nicht von selbst darauf kommt, ist es meist die Vereinsführung, die irgendwann fragt, ob man nicht mal einen Übungsleiterschein machen möchte. „Doch wozu? Es lief doch bisher auch so immer gut“ – Gedanken, die dann aufkommen. Dennoch wird der Übungsleiterlehrgang jedem Teilnehmer eine große Hilfe für seine Tätigkeit sein. Vom richtigen Stundenaufbau, über wichtige Details, die man als Übungsleiter C Breitensport sportartübergreifend (ÜL C) beachten muss, bis hin zur modernen Sportpraxis –nichts wird ausgelassen. Und zudem liefert die Lizenz eine gewisse Selbstbestätigung, da die lehrende Tätigkeit nun eine Art Qualitätssiegel bekommt.
Verknüpfung von Theorie und Praxis
Dabei ist die Ausbildung eine Einheit aus drei verschiedenen Blöcken, dem Grund-, dem Aufbau-, und den Spezialblöcken. Jeder Ausbildungsabschnitt muss mit 40 Unterrichtseinheiten (UE) bestritten werden, so dass am Ende 120 UE stehen. Im Grundlehrgang wird den Teilnehmern zunächst das Basiswissen vermittelt: Organisieren einer Übungsstunde, Leitung einer Gruppe oder aber auch das Kennenlernen von Vereinsstrukturen . Doch so theoretisch, wie sich die genannten Gebiete anhören, sind sie gar nicht, da immer ein unmittelbarer Zusammenhang zur Sportpraxis hergestellt wird. Fitnesstraining, Sportspiele und rhythmische Bewegung sind weitere Inhalte, die im Grundlehrgang mit der Theorie verbunden werden.
Im sich anschließenden Aufbaulehrgang lernen die Teilnehmer unter anderem, wie ein langfristiges Training mit bestimmter Zielsetzung an Systematik gewinnt und was das für die einzelne Übungsstunde heißt. Nicht zu vergessen, die Einflussmöglichkeiten des Übungsleiters auf bestimmte Gruppenprozesse. Auch nicht außer Acht gelassen werden Planungen von Vereinsveranstaltungen.
Flexibles Ausbildungssystem
Neben dem Grund- und Aufbaulehrgang haben die „Auszubildenden“ noch 40 UE aus Spezialblöcken nachzuweisen. Doch hier gibt es keinerlei Vorschriften, freie Wahl ist angesagt. Ob „Gymnastik und Spiele im Wasser“, „Rope Skipping“ oder „Vom Modernen Tanz zum kreativ-darstellenden Tanz“ – die Auswahl ist groß. Die Lizenzerwerber können sich durch die Blöcke spezialisieren, indem sie nur solche des Profils „Kinder/Jugendliche“ oder „Erwachsene/Ältere“ wählen, oder sie qualifizieren sich vielseitig, belegen also Spezialblöcke in der gesamten Breite. Zudem lassen sich diese Einheiten auch zeitlich variabel einteilen. Ob vor dem Grundlehrgang, zwischen Grund- und Aufbaulehrgang oder danach, alles wird für die Lizenz angerechnet. Als einzige Regel gilt es zu beachten, die gesamten 120 UE innerhalb von zwei Jahren zu absolvieren.
Dass auch alle Möglichkeiten der zeitlichen Flexibilität ausgeschöpft werden, zeigten die Teilnehmer des zuletzt stattgefundenen Spezialbausteins „Abenteuer- und Erlebnissport“, der für den Landessportbund Niedersachsen vom Stadtsportbund organisiert wurde. So hatten Gaby Travers und Michael Hanisch (beide Waspo 08) erst kurz zuvor den Grundlehrgang und bereits die spezielle Einheit „Funktionsgymnastik“ miterlebt, um im April schon das Ziel „Lizenz“ anzusteuern. Dass die Spezialblöcke immer jede Menge Spaß bieten, konnten die beiden Teilnehmer bestätigen. Gaby gab schmunzelnd zu: „Funktionsgymnastik war unglaublich anstrengend, aber sehr gut und dieser Erlebnissportlehrgang bringt mir richtig was.“ Als die Sportler blind einen Abenteuerparcours bewältigen mussten, hatte die Triathletin für einige Momente richtig Angst, „aber es war toll“. Und auch die Vertrauensspiele am Tag zuvor fanden beide absolut brauchbar für ihr eventuell zukünftiges Trainieren von Gruppen. Dabei geht Michael sogar noch einen Schritt weiter: „Ich nutze den gesamten Lehrgang, um ins Thema Sport hinein zu kommen, sehe es quasi als Grundeinstieg und möchte dann aber noch gerne den Fachübungsleiter dran hängen.“ Wichtige Tipps für seine späteren Gruppen fand er vor allem darin, dass man gewöhnliche Sportgeräte auch mal anders einsetzen kann, zum Beispiel für einen solchen Parcours.
Doch wie schon erwähnt, müssen die zukünftigen Übungsleiter nicht ein solches zeitliches Tempo vorlegen und nahezu jedes Wochenende in einer Sporthalle verbringen. Es geht auch anders: So besuchte der frühere Leichtathlet und Karate-Kämpfer Ralf Lang vom Judoclub Landwehrhagen den Grund- und Aufbaulehrgang bereits 2003 und nimmt nun die Spezialblöcke wahr. Im Block „Abenteuersport“ begeisterte sich der Jugendwart vor allem für die Kennenlern-Spiele und die Spiele, die auf Vertrauensbasis beruhten. „Die kann man mit jeder Gruppe machen“, berichtete Ralf. Und dabei hat er im Blick, in seinem Verein eventuell eine Walk-Gruppe aufzumachen. „Deswegen werde ich auf jeden Fall auch noch den Spezialblock Walking belegen.“
Auch Kerstin Dammasch lässt sich bewusst etwas Zeit, da sie mit 17 Jahren ohnehin erst ihre Volljährigkeit abwarten muss, um die Lizenz zu bekommen. Nach Grund- und Aufbaulehrgang hat sie sich für den Abenteuersportkurs entschieden, weil sie "gerne Klettern wollte. Das klang gut“, erläuterte die einstige Turnerin und jetzige Helferin im Kinderturnen beim MTV Geismar. Doch auch die anderen Einheiten an diesem Wochenende entpuppten sich als echte Knüller: „Blind durch den Parcours zu laufen war super.“
Neue Ideen und Anregungen
Das sah auch Mareike Peter so, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim SC Weende leistet und daher im Unterrichten von Gruppen schon ein „alter Hase“ ist. Ob beim Kinderturnen, im Tischtennis, im Fußball oder bei der Seniorengruppe – überall ist sie im Einsatz. „Die Kennenlern- und Vertrauensspiele liefern mir neue Ideen. Die lassen sich in allen Gruppen umsetzen“, freute sich Mareike, die teilweise auch schon in der Zeit vor ihrem FSJ Sportstunden in der Schule geleitet hat. „Ich denke auch, dass ich all das, was ich hier im Lehrgang gezeigt bekommen habe, vermitteln kann.“ Das spricht eindeutig für die Arbeit der beiden Referenten Klaus Brüggemeyer (SSB) und Peter Bulicke, denen es zu zeigen gelang, wie sich mit einfachen Elementen des Abenteuer- und Erlebnissports und überall bekannten und vorhandenen Geräten außergewöhnliche Akzente in der Sportstunde setzen lassen. Peter Bulicke, Fachübungsleiter für Sportklettern, erläuterte: „Wir geben aber nur eine Idee, stellen quasi in Aussicht, was noch alles kommen kann. Und es ist dabei immer toll zu sehen, wenn man für die Teilnehmer neue Erlebnisse schafft und sie dann mit einem Grinsen nach Hause gehen.“ Und eben ein solches Erlebnis, das Highlight des Tages, konnten die künftigen Übungsleiter auch nach dem Klettern an der Kletterwand mit nach Hause nehmen.
Voraussetzungen für den Lizenzerwerb
Doch wer darf jetzt eigentlich an diesem Übungsleiterlehrgang teilnehmen? All diejenigen, die ihr 17. Lebensjahr vollendet haben und Mitglied in einem Sportverein sind, können sich der Herausforderung stellen. Mitbringen sollten die Auszubildenden außerdem Erfahrung in praktischer Vereinsarbeit und Kenntnisse in einer oder mehreren Sportarten.
Wenn schließlich alle Ausbildungsabschnitte abgeschlossen und diverse Aufgaben, wie Protokolle, schriftliche Hausarbeit und Planung und Organisation einer Veranstaltung erfüllt worden sind, gilt es nur noch die Lehrprobe in der Lehrgangs- oder Vereinsgruppe zu bestehen. Und wer am Ende die Lizenz erworben hat, sollte dann dafür sorgen, dass sie nicht verfällt. Innerhalb von vier Jahren müssen dafür 15 Unterrichtseinheiten absolviert werden. Immerhin gilt es, auch im Sport Entwicklungen und Trends sowie die neuesten Erkenntnisse in Übungsstunden einfließen zu lassen. Als Übungsleiter trägt man Verantwortung, und die erlernt man Step by Step. |