| Das „Mädchen für alles“ sitzt an diesem Nachmittag auf der massiven Holzbank vor dem Bootshaus. Wassersport und Jan Bauer – diese Kombination existiert für den gebürtigen Göttinger seit frühester Kindheit. „Seit mich mein Vater zum ersten Mal im Zweier mit aufs kühle Nass genommen hat, hat es mich erwischt“, gibt Bauer unumwunden zu. Nur mit zwölf Jahren spielte er auch einige Zeit für den MTV Geismar Handball, doch schließlich überstieg die Lust am Boot die Freude am Ball. Besonders das Kanupolo hat es ihm seitdem angetan. Und das sehr erfolgreich. In der mittlerweile achten Saison spielt der U-21 Weltmeister des Jahres 2002 in verschiedenen Teams der Göttinger Paddler, hat sich „hochgearbeitet“ bis in die Herrenmannschaft. Und genauso wie er im Team im Aufbau spielt, so sind in den vergangenen Jahren auch viele Dinge im Verein durch Bauers Hände gegangen. Seit vier Jahren hat er mittlerweile den Posten des Jugendwarts inne. Damit nicht genug. Als sich abzeichnete, dass der Trainer des Bundesligateams sich gen Hamburg verabschiedete, hatten Bauers Mitspieler kurzerhand ein „Attentat“ auf ihn vor. „’Willst du nicht den Trainerposten übernehmen?’, haben sie mich gefragt“, erinnert sich Bauer. Die Motivation, die ihn schließlich nach und nach den Übungsleiter Breitensport und die B-Lizenz Kanusport erwerben ließ, war also am Anfang nicht ganz „aus freien Stücken“ vorhanden.
Kein Ruhetag von Ostern bis September
Wenn er sich jetzt nach Feierabend auf sein Fahrrad schwingt, ist sein Ziel eigentlich fast immer das Bootshaus am Kiessee. „Montags und mittwochs trainiere ich die Damenmannschaft, dienstags und donnerstags leite ich die Übungseinheit der Männer“, zählt Bauer seine Termine auf, „und wenn nebenbei freie Minuten bleiben, kümmere ich mich noch um die Organisation von Turnieren, die Planung von Fahrten und andere Formalitäten.“ Und am Wochenende? „In der Saison sind wir fast jedes Wochenende auf Turnieren. Freitag, Samstag, Sonntag sind also auch fast immer verplant“, schildert Bauer. Die Bundesligaspieltage, die in Blöcken ausgespielt werden, sowie Turniere und Trainingslager wie das am Bodensee sorgen dafür, dass in Bauers Terminkalender der Kugelschreiber fast keinen jungfräulichen „Ruhetag“ zurückgelassen hat – und das von Ostern bis Ende September, denn solange können die Kanupolospieler in der Freiluftsaison ihrer Leidenschaft nachgehen. Ein Bundesligaspieltag findet jedes Jahr auch in Göttingen statt.
Wer jetzt jedoch denkt, die Wintermonate brächten für Bauer die große Langeweile mit sich, der kennt den Auszubildenden vom Autohaus Südhannover nicht. „In der kalten Jahreszeit trainieren wir zweimal die Woche im Hallenbad des Sportzentrum der Uni Göttingen“, erzählt Bauer, „auch wenn es da schon ziemlich eng zugeht.“ Aber auch ihrem Bootshaus am Kiessee statten Bauer und seine Mitstreiter im Winter den ein oder anderen Besuch ab. Auf dem Dachboden wird dann in der eigens eingerichteten „Muckibude“ Kraft für den Sommer getankt und bei Jogging-Runden um den See die Kondition aufgebaut.
Urlaub am Wasser
Klar, dass eine „Wasserratte“ wie Bauer auch seinen Urlaub am bzw. in seinem Lieblingselement verbringt. „Wenn es geht, gönne ich mir jedes Jahr eine Wildwassertour in Österreich oder Norwegen“, schwärmt Bauer, „aber dabei geht es dann nicht um Tempo, Rennen oder Siege, sondern nur ums Genießen.“ Doch bis zum nächsten Urlaub ist es noch ein wenig hin. An diesem Mitt-wochnachmittag steht für Bauer erst einmal Alltag an: in gut einer Stunde kommen die Damen zum Training. |