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Göttingen macht das Sportabzeichen
 
 
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Sportabzeichen: Die Olympiade des Kleinen Mannes
Auch dieses Jahr öffnet das Jahnstadion in Göttingen  seine Pforten, um Interessierten bis Mitte Oktober unter erfahrener und kompetenter Anleitung auf die Prüfung zum Sportabzeichen vorzubereiten. Dabei kann man seine eigene Fitness testen und verbessern.

Ohne die Bindung an einen Verein bietet das Deutsche Sportabzeichen die Möglichkeit, sich in einer Gruppe mit Gleichgesinnten fit und gesund zu halten. Initiiert durch Carl Diem existiert das Deutsche Sportabzeichen bereits seit 1913. Schon damals konnten Sportbegeisterte unter der noch etwas sperrigen Bezeichnung „Auszeichnung für vielfältige Leistung auf dem Gebiet der Leibesübungen“ diesen „Fitness-Orden“ erkämpfen. Bereits 1921 wurde das erste Sportzeichen an eine Frau verliehen: Adele Schake vom Schwimm-Verein Göttingen.

Etwas mehr als 200.000 Sportabzeichen werden jährlich in Deutschland verliehen. Die Zeiten, in denen in Göttingen rund 2000 Abzeichen pro Jahr vergeben wurden, sind allerdings leider vorbei. Seit dem Abzug der Bundeswehr vor 12 Jahren sanken die Zahlen auf etwa ein Drittel – damals waren die Soldaten verpflichtet, ihr Sportabzeichen abzulegen. Nun bildet die Leinestadt im niedersächsischen Vergleich das traurige Schlusslicht.

„Olympiade des kleinen Mannes“

Wie aber kommt es, dass eine Stadt wie Göttingen mit ihrer sportlichen Vergangenheit hier so ins Abseits geraten konnte? Das Interesse scheint stark zu schwinden. Jetzt sind fast nur noch die „alten Hasen“ dabei. Auf dem Platz treffen wir Horst Fuchs, Prüfer und ehemaliger Obmann für das Sportabzeichen in Göttingen, der sich weiter ehrenamtlich engagiert: „Das geht querbeet - Professoren, Doktoren, Rentner, eher ältere und auch fast immer die gleichen.“

Während sich also bei den Erwachsenen „Die Olympiade des kleinen Mannes“ noch beständiger Beliebtheit erfreut, sanken die Zahlen der abgelegten Schüler- und Jugendsportabzeichen kontinuierlich innerhalb der letzten Jahre.

Gudrun Strauß, die Verantwortliche für das Sportabzeichen beim Stadtsportbund, sieht aber bereits Verbesserungen auf diesem Gebiet: „Dank vieler engagierter Lehrer erfährt gerade das Sportabzeichen in den Schulen wieder mehr Aufmerksamkeit.“ Bereits im fünften Jahr bietet die Aktion „Sportabzeichen-Schulwettbewerb Niedersachen“ die Möglichkeit, das Sportabzeichen in der Schule abzulegen. Beteiligen können sich Schülerinnen und Schüler ab dem 3. Schuljahr, der Wettbewerb läuft das ganze Jahr über. Seine persönliche Motivation bei dieser Aktion sieht Hans-Werner Schmidt, Sportlehrer am Hainberg-Gymnasium, darin, „den Schülern die Idee des lebenslangen Sportreibens näher zu bringen“.

Verschiedene Abnahmemöglichkeiten

Um den Fitness-Beweis erbringen zu können, muss aus fünf Kategorien je eine Übung bewältigt werden. Dabei gibt es folgende „Basisdisziplinen“: eine Schwimmdisziplin, eine Sprunganforder-ung, eine Sprintstrecke, eine Wurfübung und eine Ausdauerstrecke. Die Ausdauerdisziplin kann wahlweise radelnd, schwimmend oder laufend absolviert werden. Die Aufgaben sind immer an den individuellen Fähigkeiten und am jeweiligen Alter orientiert.

Inline-Skaten und Walken

Im Vergleich zu den 20-er Jahren hat sich bei den Disziplinen für das Sportabzeichen nicht viel verändert. Um das Interesse und die Motivation vor allem für Jüngere zu wecken, gibt es jetzt aber zahlreiche neue, moderne Übungen. Hinzugekommen ist vor fünf Jahren das Inline-Skating. Seit diesem Jahr kann man sich auch im Kanufahren, Walking, Nordic Walking und Sportschießen prüfen lassen.

Routiniers des Fitness-Ordens wie Sabine Dörgens sind jedoch stets bestens motiviert, denn für sie ist das Sportabzeichen „jedes Jahr ein wichtiger Termin, wenn ich das nicht machen könnte, dann würde mir was fehlen“. Kein Wunder, denn die Ehrenamtlichen und Sportler im Jahnstadion sind laut Prüfer Ulrich Krippahl „eine richtig liebe Gemeinschaft“.

 
Anja Würfel
 
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