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   Heft Herbst 2005
„Ausschuss fehlt es an praktischer Zusammenarbeit mit den Vereinen“
 
 
CH
 
Wolfgang Thielbörger
Die Damen und Herren im Sportausschuss des Rates haben die längste Strecke ihrer aktuellen Amtszeit zurückgelegt. Sie befinden sich im Jahr vor den Wahlen sozusagen auf der Zielgeraden. Dabei kaum beobachtet von der Öffentlichkeit, denn nur wenige finden den Weg zu einer der Ausschusssitzungen in das Spaßbad ,Eiswiese‘. Für Sportissimo ein Grund, auf diesem Wege für die eine oder andere Information zu sorgen. Wir übermitteln dem sportpolitischen Sprecher der jeweiligen Fraktion bzw. dem Ausschussvorsitzenden einen kleinen Fragenkatalog. Die Antworten finden Sie an dieser Stelle. Christian Henze (SPD) hat im Frühjahr den Anfang gemacht, ihm folgte Pasquale Perriello (CDU). Als Dritter im Bunde ist jetzt Wolfgang Thielbörger von der FDP an der Reihe.

Sportissimo: Herr Thielbörger, Sie kennen sich im Vereinssport bestens aus. Beim FC Grone gehören Sie dem Vorstand an, beim früheren 1. SC 05 waren sie kurzzeitig Präsident. Welche in den Vereinen gemachten Erfahrungen können Sie davon im Sportausschuss einbringen?

Wolfgang Thielbörger: Seit meiner Jugendzeit interessiere ich mich für den Sport. Aufgrund meiner langjährigen Vorstandsarbeit habe ich fast alle Probleme, die ein Sportverein haben kann, kennen gelernt. Ich weiß daher sehr genau, welche Unterstützung oder Hilfe die Vereine vom Sportausschuss der Stadt erwarten. Seit 1946 gehöre ich dem FC Grone an und spiele seit dieser Zeit für den Verein aktiv Fußball. Jahrzehnte bin ich im Vorstand, zurzeit als stellvertretender Vorsitzender und darüber hinaus Ehrenmitglied. Meine Erfahrungen kann ich besonders aus den Bereichen Jugendarbeit, Finanzen sowie Umgang mit den Sportlern in den Sportausschuss einbringen.

Sportissimo: Mit der Gründung der GoeSF GmbH und Co. KG hat mancher Politiker befürchtet, die Einflussmöglichkeiten der Ratsherren würden geringer, es könnte zudem an Transparenz fehlen. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht?

Wolfgang Thielbörger: Meines Erachtens waren diese Befürchtungen nicht unberechtigt; denn der Sportausschuss hat heute nicht mehr das Gewicht, das er vor Gründung der GoeSF hatte. Sehr oft werden wichtige Entscheidungen in der nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung der GoeSF getroffen. Dadurch haben sich schon die Einflussmöglichkeiten der Ratsmitglieder verringert. Hinzu kommt, dass nicht alle Ratsfraktionen im Aufsichtsrat vertreten sind. Trotzdem war die Gründung der GoeSF eine richtige Entscheidung.

Sportissimo: Sind Sie ein Jahr vor der Kommunalwahl mit der Arbeit im Sportausschuss und des Sportausschusses zufrieden?

Wolfgang Thielbörger: Mit der Arbeit im Sportausschuss bin ich durchaus zufrieden, zumal sich jedes Ausschussmitglied bestmöglich für die Belange des Sports einsetzt. Dagegen bin ich nicht zufrieden mit der Arbeit des Ausschusses. Allein schon deshalb, weil es keine Basiskontakte gibt. Es fehlt an jeglicher praktischer Zusammenarbeit mit den Sportvereinen. Auch bei den örtlichen Sportveranstaltungen sollten ständig Ausschussmitglieder präsent sein.

Sportissimo: Welches sportpolitische Konzept verfolgt Ihre Fraktion für die Zukunft?

Wolfgang Thielbörger: Meine Fraktion wird sich auch weiterhin verstärkt für die Belange des Sports einsetzen. Dabei steht die Förderung der Jugendarbeit an erster Stelle. Aber auch die Berücksichtigung der Älteren werden wir im Auge behalten. Darüber hinaus werden wir auf die Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit setzen und uns intensiv um die Sorgen und Probleme der Sportvereine kümmern.

Sportissimo: Die Förderung der Jugend ist zurecht ein dringendes Anliegen, wie aber will die FDP auf die steigende Zahl der Älteren in den nächsten Jahren sportpolitisch reagieren?

Wolfgang Thielbörger: Wir fordern ja schon heute, dass das Angebot im Bereich der Sportmöglichkeiten für Senioren deutlich erhöht werden sollte. Und das muss keineswegs viel Geld kosten. Wir gehen davon aus, dass in den Vereinen viele ältere Übungsleiter bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Außerdem setzen wir da auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Stadtsportbund, GoeSF und den Vereinen.

Sportissimo: Es tauchen immer wieder Gerüchte auf, der Sportausschuss solle mit einem anderen Gremium zusammengelegt werden. Wie denken die Freidemokraten über dieses Thema?

Wolfgang Thielbörger: Der Sportausschuss muss seine Eigenständigkeit behalten. Das steht für die FDP außer Frage. Die Bedeutung des Sports in Göttingen ist viel zu groß, dass er mit einem anderen Gremium zusammengelegt werden könnte. Der Sportausschuss hat es durch gute Arbeit selbst in der Hand, sich unverzichtbar zu machen, bzw. sich das Alleinvertretungsrecht zu sichern.

Sportissimo: Die Diskussion um eine Fusion des Stadtsportbundes mit dem Kreissportbund ist von außen wieder angestoßen worden, wie steht Ihre Fraktion zu einem etwaigen Zusammenschluss der beiden Bünde?

Wolfgang Thielbörger: Besonders in den Zeiten des knappen Geldes müssen die Möglichkeiten betreffs Zusammenschlüssen von Institutionen immer wieder neu geprüft werden. So sollte diese Diskussion verstanden werden. Stadt- und Kreissportbund leisten gegenwärtig beide gute Arbeit. Hier wäre zu befürchten, dass bei einer Fusion die gute Basisarbeit von beiden nicht fortgeführt werden kann. Deshalb sind wir der Meinung, so lange es die Gegebenheiten zulassen, sollte die jeweilige Eigenständigkeit bestehen bleiben. Die Zeit ist noch nicht reif für eine Fusion.

Sportissimo: Und zu einem von Helmut Illie (KSB-Vorstandsmitglied) angeregten Sportbund Südniedersachsen?

Wolfgang Thielbörger: Von einem solchen Zusammenschluss – ohne zwingende Gründe – halte ich wenig. Denn besonders im Sport ist die örtliche aktive Kleinarbeit gefragt, und das kann eine solche überregionale Institution sicherlich nicht leisten. Falls es einmal die politische Region Südniedersachsen mit dem Oberzentrum Göttingen geben sollte, dann könnte ich mir eine solche Debatte ernsthaft vorstellen.

Sportissimo: Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft an den Stadtsportbund?

Wolfgang Thielbörger: Ich wünsche mir, dass die Voraussetzungen auch weiterhin geschaffen werden, damit der Stadtsportbund seine gute Arbeit fortsetzen kann. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die harmonische Zusammenarbeit zwischen der Kommunalpolitik und dem Stadtsportbund auch in naher Zukunft so intensiv bleiben möge.

 
Holger Vorrath
 
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