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| Sport auf dem Weg zur Fusion |
Am Ende war eigentlich nur noch strittig, welchen Namen das Kind bekommen soll. Die Fusion des deutschen Sports scheint beschlossene Sache, nachdem die 16 Landessportbünde (LSBs) in Mainz ihren „Aufstand der 100 Tage“ beendet haben. Nach mehreren Korrekturen der Ende Juni vorgelegten Satzung signalisierten sie auf breiter Front Bereitschaft, am 10. Dezember in Köln dem Zusammenschluss von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischem Komitee (NOK) zuzustimmen. „Wir sind auf einem guten Weg“, wurde zum geflügelten Wort des Tages.
IOC-Mitglied Thomas Bach begrüßte das Ergebnis: „Ich freue mich, dass offensichtliche Missverständnisse ausgeräumt werden konnten. Damit ist hoffentlich die Bahn frei für eine starke deutsche Sportorganisation, in der auch die LSBs große Bedeutung haben werden - und zwar sowohl im Breiten- wie im Spitzensport.“ DSB-Präsident Manfred von Richthofen war es gelungen, die Rebellen zu besänftigen: „Sie haben einiges erreicht“, rief der Berliner ihnen zu und führte zehn Punkte an, in denen DSB und NOK den Ländern entgegengekommen sind. Das gab auch Eckehard Wienholtz (Schleswig-Holstein) zu, LSB-Mann in der Satzungskommission: „Der Breitensport ist politisch nun erheblich aufgewertet worden.“
So wird der LSB-Stimmenanteil im neuen Dachverband von zuerst 20 auf 33,5 Prozent steigen, was ihnen bei allen Beitragsfragen (Zweidrittel-Mehrheit) Mitbestimmung sichert; der Vizepräsident Breitensport soll aus ihren Reihen kommen, sie erhalten mehr Sitze in Kommissionen und können Anträge bis hin zur Einberufung von Verbandstagen stellen. In einem zentralen Punkt allerdings kam man sich nicht näher: „Da sehe ich so gut wie keine Chance“, meinte Richthofen zum Wunsch nach einer Sperrminorität in allen nicht-olympischen Fragen. Das sah auch LSB-Sprecherin Ingelore Rosenkötter (Bremen) ein: „Die IOC-Charta lässt wohl keinen Spielraum mehr.“ Doch selbst die bislang schärfsten Kritiker wollen dies nicht länger zur Gretchenfrage machen. „Wir sollten den Zusammenschluss nicht an dieser einen Frage scheitern lassen“, sagte Walter Schneeloch (NRW). Sogar „Hardliner“ Rolf Müller (Hessen) rückte vom klaren Nein ab: „Ich bin zwar noch nicht voll überzeugt, aber es wurde eine Brücke gebaut, die wir betreten konnten.“
Überschritten werden soll sie Ende November in Frankfurt auf dem DSB-Hauptausschuss, einem außerordentlichen kleinen Verbandstag, wo man alles noch einmal ausgiebig diskutieren will. „Das ist für uns sehr wichtig, weil wir am 10. Dezember mit einer Stimme sprechen wollen“, betonte Rosenkötter. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass sich in Köln die jeweils notwendige Dreiviertel-Mehrheit findet, nicht nur zuerst im NOK, sondern danach auch im DSB, wo die LSBs über 42 Prozent der Stimmen verfügen. Richthofen appellierte nochmals an die „Bereitschaft zum Kompromiss bei diesem revolutionären Schritt“. Das wurde auch von vormaligen Skeptikern verstanden, ob aus Sachsen („Wir haben eine neue Lage“) oder aus Baden-Württemberg („Ein Nein ist kaum noch denkbar“).
Wenn alles gut geht, soll die Gründung des neuen Dachverbandes am 20. Mai in Frankfurt erfolgen. Nur über den Namen will man noch verhandeln. Nordrhein-Westfalen schlug „Deutscher Sport- und Olympia-Bund“ (DSOB) statt „Deutscher Olympischer Sportbund“ (DOSB) vor, „weil es ja nicht nur um olympischen Sport geht“ (Schneeloch). Das fand viel Beifall, „weil es auch psychologisch für uns wichtig wäre“, so Wienholtz. Abgestimmt werden soll darüber Ende November, das letzte Wort hätten aber die Präsidien von DSB und NOK. |
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