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Die Deutschen haben Lust aufs Wandern
Zurück zur einfachen Bewegung - naturverbunden und trendorientiert

Wo kann man schöner die Seele baumeln lassen als beim Wandern? Die Deutschen haben die Frage für sich schon seit langem beantwortet. Wandern ist für die Deutschen ein uraltes Hobby. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die neue Art der Fortbewegung zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Anfangs noch angefeindet, etablierte sich das Wandern danach in der Epoche der Romantik. Die Romantiker suchten die Einsamkeit in der Natur, um zu sich selber zu finden. Sie prägten das Bild des Wanderns bis heute. Vor hundert Jahren zogen vor allem Jugendliche, die sich in der „Wandervogel“-Bewegung organisierten, auf Schusters Rappen, mit Gitarre und einem Lied auf den Lippen durch die deutschen Mittelgebirgslandschaften.

Je nach Quelle veröffentlichter Studien machen es den „Wandervögeln“ inzwischen 20 (Rainer Brämer, Natursoziologe der Uni Marburg) bis 34 Millionen Bundesbürger (Allensbacher Markt- und Werbeträger Analyse) regelmäßig nach - Tendenz steigend. Verwunderlich ist das nicht, denn Wandern passt zum gesellschaftlichen Trend, der künstlichen Welt der Spaßgesellschaft vermehrt und verstärkt zu entfliehen. „Engagement, Freundschaft, Erfahrung und der Wunsch, häufiger aus bürgerlichen Bequemlichkeiten auszusteigen, sind Motive, die Sinn geben“, meint die Freizeitforscherin Felizitas Romeiß-Stracke. Die Lehrbeauftragte an der TU München  misst dem Wandern eine intensive meditative Kraft bei und ist überzeugt, dass „dem Wandern die sportliche Zukunft gehört“.

Damit das Wandern sich langfristig auch positiv auf den Körper auswirkt, sollten bestimmte Kriterien eingehalten werden. Dr. Robert Eifler vom Sportmedizinischen Institut Frankfurt (SMI) gibt eine Definition: „Ab etwa zwei Stunden Fußmarsch und einem Stundenmittel von wenigstens fünf Kilometern kann man wohl schon von Wandern sprechen.“ Wer abnehmen möchte, kann das Wandern bei gleichem Umfang noch intensiver gestalten - unter Zuhilfenahme von Stöcken. Der Trendsport Nordic Walking, Langlauf ohne Skier, begeistert allein in Deutschland schon mehr als zwei Millionen Menschen, die sich von der neuen Gehtechnik vor allem Gewichtsreduzierung versprechen.

Echte Wanderfreunde treibt es aber zu Höherem. Sie planen, mehrere Tage oder gar Wochen mit Rucksack und in Trekkingschuhen zu verbringen, um dabei lange Strecken zurück zu legen. Die Bedingungen dafür sind in Deutschland erstklassig. Das Wanderwegenetz, das überwiegend von den Mitgliedern des Deutschen Wanderverbandes ehrenamtlich gepflegt und gekennzeichnet wird, umfasst mehr als 190.000 Kilometer. Jahr für Jahr werden neue erlebnisreiche Routen eingeweiht.
Das jüngste Mitglied im Reigen spannender Fernpfade ist der 320 Kilometer lange Rheinsteig, der die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen verbindet. Der Deutsche Wanderverband vergibt sogar das Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“ für naturbelassene und gut markierte Strecken. Unter www.wanderbares-deutschland.de können Interessierte sich ihre individuelle Wanderung zusammenstellen.

Für „wandersüchtige“ Zeitgenossen, denen die Langstrecken in Deutschland noch nicht reichen, bieten sich die Europäischen Fernwege an, die den Kontinent in allen Himmelsrichtungen queren. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in letzter Zeit die Alpenüberquerungen nach Italien, vor allem auf den Routen Oberstdorf - Verona und München - Venedig. Kult sind auch seit längerem die Pilgerwanderungen. Der bekannteste und meist gelaufene unter den Pilgerpfaden ist wohl der Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Auch wenn dort die Gebeine des Apostels Jakobus ruhen sollen, zieht es die meisten Wanderer weniger aus religiösen Gründen in den Nordwesten Spaniens. Sie wollen vielmehr den Reiz des einfachen Pilgerlebens auf der Strecke selbst erleben. Fernwanderungen bedürfen einer sorgfältigen Vorbereitung, besonders dann, wenn sie durch ein Hochgebirge wie die Alpen führen. Das beinhaltet auch die Schulung einer guten Kondition. Anfängerkurse für das Bergwandern gibt zum Beispiel der Deutsche Alpenverein, der auf seiner Homepage unter www.alpenverein.de alles Wissenswerte aufführt.

Europa ist manchem passionierten Wanderer und Abenteurer immer noch zu klein. Auf der Touristikmesse Tournatur 2005 in Düsseldorf konnte sich diese Klientel an den Ständen von über 200 Ausstellern über weltweit mehr als 5.000 Wanderziele informieren.

Die Lust aufs Wandern beginnt allerdings in der Regel in den heimischen Wäldern, auf Feldern und Wiesen. Rund 7.000 Turn- und Sportvereine in Deutschland wissen das und bieten ganzjährig gesellige und erlebnisreiche Touren unter fach- und heimatkundiger Führung an. Etwa 400 unter Ihnen veranstalten jedes Jahr einen „Erlebnistag Wandern“, zu dem der Deutsche Sportbund und der Deutsche Turner-Bund in Kooperation mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken seit 1987 (zunächst unter dem Namen Volkswandertag) aufrufen. Sportvereine, die den Trend zum Wandern aufgreifen möchten, finden im Internet unter www.erlebnistag-wandern.de interessante Anregungen und können sich hier direkt für die Ausrichtung eines „Erlebnistages Wandern“ anmelden.

 
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