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   Sport für Ältere
Erfolgreiche Praxisbeispiele aus Köln und Berlin
 
 
LSB
 
Dr. Michela Czech (LSB-Vizepräsidentin)
LSB-Beauftragter Krüger: Wenn wir nicht aufpassen, machen es die Kommerziellen

Die zweitägige Tagung des Landessportbundes im  Schweizer Hof -  das war beileibe nicht nur eine der theoretischen Erörterungen, sondern es war gleichzeitig eine praktischer Beispiele. Auf den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag des geschäftsführenden ASC-Vorsitzenden Jörg Schnitzerling brauchen wir an dieser Stelle nicht näher einzugehen. Denn in Göttingen über das königsblaue Wirken im Allgemeinen und für die Senioren im Besonderen zu schreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Wenden wir uns daher den beiden beeindruckenden Beiträgen aus Köln und Berlin zu.

Während sich am Rhein vor fast zehn Jahren ein privater Verein gründete, um den Älteren Freizeitaktivitäten anzubieten, war es an der Spree der Landessportbund, der mit einem just beendeten zweijährigen Projekt für frischen Wind in der Seniorenarbeit sorgte.
„Verein für Sport, Kultur und gesellschaftliches Engagement in der 2. Lebenshälfte e.V.“  nennt sich der von Gertrud Rost geführte VSKG in Köln. Eine Gruppe älterer Tennisspieler kam eines schönen Tages „auf der Suche nach mehr Aktivität“ auf die Idee, besagten Verein aus der Taufe zu heben. Heute gehören ihm 302 Mitglieder an. 40 Prozent von ihnen „sind Herren, das ist eine erstaunliche Zahl“. Nicht minder bemerkenswert weitere Details: „80 Prozent der Mitglieder nehmen regelmäßig am Sport teil, 60 Prozent an der Kultur. 60 Prozent der Mitglieder sind  ehrenamtlich tätig, davon sind 68 Prozent Frauen. Der Jahresbeitrag beträgt 50 Euro, unser Jahresetat 35 000 Euro.“ Neben den Mitgliedsbeiträgen fließen Gelder aus Kursgebühren und Spenden in die Kasse des VSKG, der ordentliches Mitglied im LSB Nordrhein-Westfalen ist. Qi gong, Wanderungen, Radtouren, Walking, Skat, Kegelabende, Spielkreise  oder Gedächtnistraining würden im Übrigen von Mitgliedern angeboten und seien entweder kostengünstig oder kostenfrei.
Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. „Senioren binden sich heute weniger. Die nachfolgende Generation wird sich noch weniger binden“, bedauert Gertrud Rost die Entwicklung.

Im Ratssaal wird getanzt

Für den LSB Berlin stellte sich 2003 nach den Worten seines Referenten für Breitensport, Reinfried Kugel, angesichts der erschöpften Hallenkapazitäten in der Hauptstadt die Frage: „Wo können wir Stätten für den steigenden Bedarf im Seniorensport schaffen?“ Die ,Antwort` Mit einem zweijährigen Projekt. „40 neue Gruppen bei Partnern aufbauen. Nach einer Anschubfinanzierung durch den LSB sollen sie sich selbst tragen“, sagte Kugel. Für seine Idee gewann der LSB Berlin „21 externe Partner und 17 Sportvereine“. Die Erfolgsbilanz: „Wir haben 60 Gruppen aufgebaut. 80 Prozent der Teilnehmer sind Vereinsmitglieder geworden. Und es ist nicht bloß ein Angebot. Es entwickelt sich meist mehr daraus.“
Die Sporteinsteiger tummeln sich an den unterschiedlichsten Orten. Eine Wohnungsbaugesellschaft stellte beispielsweise eine leerstehende Wohnung in ihrer Anlage zur Verfügung. „Die Frauen aus dem Haus kommen auf Socken zur Gymnastik“, erzählte der Berliner und nannte weitere Beispiele von hinzu gewonnenen Stätten: ein Bewegungszentrum in einer Kirche, einen Kindergarten in Berlin Mitte, einen Raum im Gesundheitszentrum Prenzlauer Berg, die Seniorenresidenz ,Spandauer See‘, den Ratssaal des Rathauses an der Otto-Suhr-Allee, der zum Tanzsaal umfunktioniert wurde, die alte Dorfschule in Kladow.

Ermutigt durch die ausgezeichnete Bilanz  bei den 50-  bis 60-Jährigen („Wir haben mit wenig Geld viel erreicht“) plant der LSB im kommenden Jahr ein neues Förderprogramm: „Sport vor Ort – aktiv und gesund“. Angesprochen sind „alle Zielgruppen ab 27 Jahre“.
Fazit der Göttinger Tage: Der demographische Wandel, so die als Moderatorin fungierende Vizepräsidentin des Landessportbundes Niedersachsen, Dr. Michaela Czech (Groß Lengden), „ist eine große Herausforderung“. Letztere bietet der größten freiwilligen Personenvereinigung der Republik aber auch große Chancen. Sie gilt es, rasch beim Schopf zu packen, denn: „Wenn wir nicht aufpassen, werden es die Kommerziellen machen. Die Zeit drängt“, hatte Dieter Krüger, Seniorenbeauftragter des LSB Niedersachsen, bereits zu Beginn der zweitägigen Veranstaltung erklärt.

Auch etwas für die reifere Jugend

Angereichert wurde die Tagung wie üblich mit einer sportlichen Aktivität. „Badminton als Seniorensport“ lautete die Überschrift. Und was Robert Mellinghoff  in der Sporthalle auf den Zietenterrassen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in launiger, spielerischer Form bot – das war beste Qualität! Kein Wunder, das einige den Referenten des Niedersächsischen Badminton-Verbandes sogleich für eine Demonstration in ihrem Heimatverein  buchen wollten. Einer, der das Geschehen höchst interessiert verfolgte, war der Geschäftsführer des SC Hainberg, Gustav Bode. Es würde uns kaum überraschen, wenn die Hainberger – sie stellten einen Teil ihrer Trainingszeit  zur Verfügung – im Rahmen ihrer Badminton-Abteilung aktiv würden.
 
HV
 
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