Der Vorstand des Instituts für Sportwissenschaften (IfS) hat auf seiner Sitzung am 17.11.05 einstimmig die folgende Erklärung verabschiedet:
Nach den Vorstellungen des Präsidenten der Universität Göttingen soll die Sportwissenschaft künftig mit einem verringerten Stellenplan auskommen. Die Sportwissenschaft soll sich hiernach ausschließlich mit Fragen des Schulsports in Forschung und Lehre befassen und nur noch Sportlehrer für die Schule ausbilden. Dies bedeutet eine Halbierung der Aufgaben des IfS, der Studierendenzahlen und des Personals. Lehre und Forschung für außerschulischen Sport würden gestrichen werden. Eine verantwortungsvolle Wissenschaftspolitik der Universität Göttingen gegenüber den Aufgaben von Forschung und Lehre im Land Niedersachsen ist dies jedoch nicht. Durch die biologische Zufälligkeit, dass ein erheblicher Teil des Personals in den nächsten Jahren die Altersgrenze erreicht, mögen diese Stellenstreichungen zwar ohne Versetzungen von Personal erreichbar sein, eine Entwicklungschance für die Sportwissenschaft wird hierbei jedoch versäumt. Eine moderne und zukunftsweisende Universität mit dem Anspruch einer „Volluniversität“ ist ohne Forschung und Lehre in der Sportwissenschaft nicht denkbar. Die Sportwissenschaft setzt sich mit dem zentralen humanen Grundfaktor, nämlich der menschlichen Bewegung und ihren kulturellen Ausprägungen im „Sport“ auseinander.
Die Begrenzung des Faches Sportwissenschaft allein auf Schulsport und Lehrerbildung bedeutet einen Verlust an Forschungsergebnissen zum außerschulischen Sport. Für diesen ergibt sich jedoch aufgrund teilweise dramatischer gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen ein ständig wachsender Bedarf an wissenschaftlicher Begleitung und Antworten, beispielsweise im Hinblick auf Bewegungsmangel mit zahlreichen negativen gesundheitlichen und in deren Folge volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Die Nachfrage nach sinnvoller Freizeitrealisierung in einer immer stärker fragmentierten Gesellschaft, die Ökonomisierung, die Medialisierung und die Politisierung erzeugen existenzielle Fragenstellungen im außerschulischen Sport, auf die nur eine gut ausgestattete Sportwissenschaft Antworten geben kann. Ihre gesellschaftliche Bedeutung wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen, beispielsweise auch im Hinblick auf Fragen von Prävention und Rehabilitation durch Bewegung im Zuge der Überalterung der Gesellschaft.
Nach Einschätzung aller nationalen und internationalen sportwissenschaftlichen Fachgesellschaften und Experten ist aufgrund der Differenziertheit der Sportwissenschaft diese nur mit mindestens vier Professuren voll leistungsfähig. Dies ergibt sich aus den vier Grundpfeilern der Sportwissenschaft, nämlich der Humanbiologie, Bewegung/Training, Pädagogik und Sozialstruktur.
An der Universität Göttingen sind diese Professuren vorhanden und arbeiten – im Vergleich mit anderen sportwissenschaftlichen Standorten im Lande Niedersachsen – auch bisher unter besten infrastrukturellen Bedingungen und internationaler Vernetzung. Göttingen hat allein in Niedersachsen zudem eine lange Tradition von Forschung und Lehre im Bereich des außerschulischen Sports. Würde diese in Göttingen beendet, bedeutet dies auch das Aus für ganz Niedersachsen.
Im Gegensatz zu den Vorstellungen des Präsidenten ist allein schon aus Gründen der Sachlogik, der Effektivität und des nationalen und internationalen Renommees dieser überaus relevante Forschungsstandort weiterzuentwickeln und nicht zu reduzieren. Durch eine zukunftsweisende Nachbesetzung dieser Stellen mit hoch qualifizierten jüngeren Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern kann der Sportwissenschaft in Göttingen eine hervorragende Zukunftsperspektive eröffnet werden, die in vieler Hinsicht für die Leistungsfähigkeit der Universität insgesamt nur von Vorteil ist. |