Fünf Fragen an DSB-Präsident Manfred von Richthofen „Vom Ehrenamt profitiert die ganze Gesellschaft“
DSB PRESSE: Am 5. Dezember findet der „Tag des Ehrenamtes“ statt. Ist das Ehrenamt angesichts zunehmenden Leistungsdrucks im Arbeitsleben und fortschreitender Individualisierung der Gesellschaft nicht überholt?
VON RICHTHOFEN: Im Gegenteil, das Ehrenamt ist aktueller und wichtiger denn je, und zwar sowohl für die Gesellschaft, wie auch für den Engagierten selbst. Die Individualisierungstendenzen haben zwar den Einzelnen von manchem Zwang befreit, doch zugleich Bindungslosigkeit und Einsamkeit gefördert. Menschen brauchen aber mehr als lose Kontakte. Sie brauchen eine soziale Heimat, daran ändert sich nichts. Das freiwillige Engagement ist deshalb gerade heute auch eine Chance: Menschen, binden sich aktiv ein und verwirklichen sich im Handeln für andere. So bringen sie gemeinnützige und individuelle Ziele auf einen gemeinsamen Nenner - das ist kein verstaubtes Ritual, sondern eine moderne Form, aktiv und engagiert zu leben. Menschen, die sich engagieren, bleiben mental fit. Und zugleich können sie im Ehrenamt ihre Kompetenzen erweitern, wovon sie auch in der Arbeit profitieren.
DSB PRESSE: Brauchen Ehrenamtliche mehr Unterstützung ?
VON RICHTHOFEN: Dass die Gesellschaft die Ehrenamtlichen in Sportvereinen und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen braucht, ist sicherlich keine Frage. Der Staat zieht sich aus vielen Handlungsfeldern zurück. Wenn unsere gemeinsamen sozialen Anliegen nicht auf der Strecke bleiben sollen, sind wir auf freiwillig Engagierte angewiesen. Sie sind eine wichtige Stütze für uns alle. Allerdings dürfen wir ihnen nicht zu viel Last aufbürden. Und wir müssen sie aktiv unterstützen. Hilfe für Helfer ist gefragt! Dafür werben wir auch durch die Vergabe des Förderpreises „Pro Ehrenamt“. DSB und Commerzbank werden ihn dieses Jahr bereits zum sechsten Mal vergeben, und zwar am 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamtes.
DSB PRESSE: Welche Ziele verfolgen DSB und Commerzbank mit der Vergabe des Förderpreises Pro Ehrenamt?
VON RICHTHOFEN: Wir wollen verdeutlichen, dass bürgerschaftliches Engagement, sei es im Sport oder anderen Bereichen, von guten Rahmenbedingungen abhängt, zu denen nicht zuletzt Wirtschaft, Politik und Medien entscheidend beitragen können. Deshalb zeichnen wir in diesen drei Kategorien Persönlichkeiten aus, die sich nachhaltig zu Gunsten des Ehrenamts im Sport engagiert haben. Darüber hinaus hat die unabhängige Jury dieses Jahr den Preis zum Beispiel Otto Schily für sein über die Amtspflichten hinaus gehendes Engagement im Sport und der gemeinnützigen Gütemarke „GlücksSpirale“ für 35 Jahre existenziell wichtige Förderung des Sports zuerkannt. Mit der Preisvergabe wollen wir uns bei ihnen bedanken und andere anregen, es gleichzutun.
DSB PRESSE: Unterstützen DSB und Commerzbank die Ehrenamtlichen in den Sportvereinen auch selbst aktiv?
VON RICHTHOFEN: Ja, der Förderpreis Pro Ehrenamt ist in die gemeinsam betriebene Initiative „Danke! Sport braucht dein Ehrenamt“ eingebettet. Im Rahmen dieser Initiative haben wir in den vergangenen fünf Jahren nicht zuletzt das Internetportal ehrenamt-im-sport.de auf- und kontinuierlich ausgebaut. Das Portal bietet Ehrenamtlichen ein breites Spektrum an Arbeitshilfen, um die alltäglichen Aufgaben und langfristigen Herausforderungen zu meistern. So leisten wir praktische Unterstützung das ganze Jahr lang - auch 2006. Denn wenn es Menschen in Vereinen durch Sport und Gemeinschaft körperlich und seelisch gut geht, profitiert die ganze Gesellschaft. Dazu müssen wir alle unseren Beitrag leisten.
DSB PRESSE: Was erwartet der Sport vom Staat ?
VON RICHTHOFEN: Die neue Bundesregierung hat sich in der Koalitionsvereinbarung klar für die Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeit ausgesprochen. Ihr obliegt es, engagementfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen und bürokratische Hindernisse abzubauen. In den letzten beiden Jahren haben sich 170 Organisationen in Deutschland, die alle mit ehrenamtlichen Menschen arbeiten, zu einem Netzwerk zusammen geschlossen, in dem der Sport an zentraler Stelle mitarbeitet. Hierdurch erfährt der Sozialstaat eine starke Entlastung und vor allem eine Förderung des Gemeinsinns, die materiell nicht aufgewogen werden kann. Den Katalog unserer Erwartungen zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements werden wir über das „Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement“ (BBE) aber auch direkt der Bundesregierung vortragen.
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