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Die Damen und Herren im Sportausschuss des Rates haben die längste Strecke ihrer aktuellen Amtszeit zurückgelegt. Sie befinden sich, ein Jahr vor den Wahlen, auf der Zielgeraden. Dabei kaum beobachtet von der Öffentlichkeit, denn nur wenige finden den Weg zu einer der Ausschusssitzungen in das Spaßbad ,Eiswiese‘. Für Sportissimo ein Grund, für die eine oder andere Information zu sorgen. Wir übermitteln dem sportpolitischen Sprecher der jeweiligen Fraktion bzw. dem Vorsitzenden einen kleinen Fragenkatalog. Die Antworten darauf will die Redaktion in den vier Ausgaben 2005 veröffentlichen. Christian Henze (SPD) hat den Anfang gemacht, ihm folgten der Ausschuss-Vorsitzende Pasquale Perriello (CDU) und Wolfgang Thielbörger. Heute ist Ulrich Holefleisch an der Reihe.
Sportissimo: Herr Holefleisch, in Ihrer Partei und deren Vorgängerinnen herrschte früher selten eine besondere Affinität für den Sport. Was hat Sie dennoch seinerzeit bewogen, in den Sportausschuss zu gehen und sogar zeitweise dessen Vorsitz zu übernehmen?
Uli Holefleisch: Das waren vier Argumentationsstränge. Erstens die hohe gesellschaftliche Integrationskraft, die generell vom Sport ausgeht. Boule ist das Paradebeispiel einer Sportart, die man miteinander betreibt, gleich ob im Rollstuhl, jung oder alt, Mann oder Frau, Deutsche oder Migrantinnen. Zweitens die sozialpolitische und gesundheitspolitische Komponente insbesondere des Jugendsports. Die Förderung des vereinsgebundenen und ungebundenen Sport ist praktizierte Prävention und praktische Sozial- und Gemeinwesenarbeit. Drittens ist Sport und Spiel mit Lebenslust und positiver Grundhaltung verbunden. Und letztlich ist Sport zu allererst einmal Breitensport.
Sportissimo: Mit der Gründung der GoeSF GmbH und Co KG befürchtete mancher Politiker, die Einflussmöglichkeiten würden geringer, es könnte zudem an Transparenz fehlen. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich bis heute gemacht?
Uli Holefleisch: Um mit dem auch in meiner Fraktion Unstrittigen zu beginnen: Die Geschäftführung der GoeSF genießt in meiner Fraktion wegen ihrer beispielhaften Kompetenz ein sehr hohes Vertrauen. Was dort ins Rollen gebracht und auch angepackt wurde, ist stets von Erfolg gekrönt gewesen. Die Trennung vom nichtöffentlich tagenden Aufsichtsrat und vom öffentlich tagenden Sportausschuss hat aus meiner Sicht allerdings zu einem Mangel an Transparenz geführt. Wir sind deshalb initiativ geworden, wollen die jüngste Rechtsprechung ausschöpfen und die Aufsichtsratssitzungen um einen „öffentlichen“ Teil ergänzen. Wir sind gespannt, ob die anderen Faktionen und der OB mitziehen!
Sportissimo: Sind Sie ein Jahr vor der Kommunalwahl mit der Arbeit im Sportausschuss und des Sportausschusses zufrieden?
Uli Holefleisch: Angesichts der Tatsache, dass viele personalintensiven Aktivitäten wie z. B. das bewährte Ferienprogramm, der Bau der Schwimmhalle, die permanente Verbesserung des Eiswiesenbades, die Betreuung der in einem hervorragenden Zustand befindlichen Sportstätten, die schon Tradition gewordenen Radrennen Kraft, Zeit und Geld binden, bleibt für eine Entwicklungsperspektive wenig über. Das geplante Sportumfeldprogramm, wodurch alltagsnahe Sport- und Bewegungsmöglichkeiten in den Stadtraum getragen werden sollen, kommt nicht voran. Hier sollen gerade die Göttinger in Bewegung gebracht werden, die sich nicht an Vereine binden lassen.
Sportissimo: Welches sportpolitische Konzept verfolgt Ihre Fraktion für die Zukunft?
Uli Holefleisch: Eben in einem Sportumfeldprogramm – wie im vom Rat beschlossenen Leitbild gefordert – wohnortnahe Sport- und Bewegungsmöglichkeiten anbieten, z. B. rund um den Wall; hierbei ist auch auf entsprechende Vorarbeiten und eine weitere Kooperation mit dem Sportinstitut zurück zu greifen. Dann wollen wir eine intensive Unterstützung von innovativen Sportjugendprojekten – auch durch die von uns initiierte Tombola – um besonders vereinsungebundene Jugendliche an Sport und Vereine heran zu führen.
Sportissimo: Die Förderung der Jugend ist zurecht ein dringendes Anliegen, wie aber wollen Bündnis 90/Die Grünen auf die steigende Zahl Älterer in den nächsten Jahren sportpolitisch reagieren?
Uli Holefleisch: In einer langsam aber sicher durchschnittlich älter werdenden Gesellschaft mache ich mir weniger Sorgen darum, ob die Älteren – wie ich – zu ihrem Recht kommen. Ich befürchte vielmehr, dass dann, wenn die opportunistische Politik entdeckt, dass die Masse der Wahlstimmen nicht von den wenigen (nicht wahlberechtigen) Kindern, Jugendlichen und Jüngeren kommt, es noch schwer werden wird, den Jugendlichen/Kindern, also den „Jüngeren“, zu ihren Rechten zu verhelfen. Schon heute dürfen Jugendliche nicht nachmittags auf Schulhöfen Ballspielen, weil die Alten sich mit Verweis auf den Lärm durchgesetzt haben.
Sportissimo: Es tauchen immer mal wieder Gerüchte auf, der Sportausschuss solle mit einem anderen Gremium zusammengelegt werden. Wie denken die Bündnis-Grünen darüber?
Uli Holefleisch: Ich halte das für absoluten Blödsinn. Das Zusammenlegen von Ausschüssen hat nur für die Verwaltung das ungestörte Agieren und den Umgang mit der Politik einfacher gemacht. Die kommunale Demokratie, für die entscheidende Teile der Verwaltung ohnehin wenig Verständnis haben, jedoch geschwächt. Konnte sich früher ein ehrenamtliches Ausschussmitglied auf ein Metier wie z. B. Feuerwehr konzentrieren und als Fachmann der Verwaltung Paroli bieten, werden durch das Zusammenlegen von Ausschüssen die Ratsmitglieder zunehmend zu dilettierenden Zehnkämpfern gemacht.
Sportissimo: Die Diskussion um eine Fusion des Stadtsportbundes mit dem Kreissportbund flammt immer mal wieder auf, wie steht Ihre Fraktion zu einem etwaigen Zusammenschluss der Bünde?
Uli Holefleisch: Zu allererst ist das die ureigene Angelegenheit der Sportbünde. Als Grüner bin ich einerseits ein Befürworter dezentraler, „kundennaher“ Strukturen, anderseits auch für Überwindung der Kirchtumspolitik, für „Regionalisierung“. Ein Sportbund, der sich allein als Serviceeinrichtung der Vereine versteht, der so gesehen keine eigene bei den Bürgern verhaftete Identität entwickeln muss, weil diese durch die Vereine getragen wird, kann regional strukturiert sein. Die entscheidende Frage scheint mir: Können dann noch die erwarteten Serviceleistungen ökonomisch und kundennah erbracht werden?
Sportissimo: Und zu einem Sportbund Südniedersachsen?
Uli Holefleisch: Wenn, dann sollte man einen Schritt nach dem andern machen.
Sportissimo: Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft an den Stadtsportbund?
Uli Holefleisch: Dass das in Göttingen zur Selbstverständlichkeit gewordene gute Miteinander weiterhin gepflegt wird. Manchmal würde ich mir wünschen, dass die nötige Kritik an Politik und Verwaltung klarer, offen und öffentlich ausgesprochen wird. Das Schweigen des SSB zur Streichung der dritten Sportstunde an den Ganztagschulen, zum Beispiel IGS, verstehe ich bis heute nicht.
Sportissimo: Vielen Dank für das Gespräch |