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Gesundheit, Abenteuersport und kleine Teams |
| Vereine profitieren von Trends im Sport |
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| Grenzen erfahren im Risiko- und Abenteuersport, wie hier beim Klettern im Hochseilgarten. |
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Was haben die Technisierung der Gesellschaft, der Klimawandel, eine immer älter werdende Gesellschaft oder die zunehmende Eigenverantwortung von Menschen mit dem organisierten Sport in Göttingen zu tun? Eine ganze Menge, meint jedenfalls Sportwissenschaftler Dr. Arne Göring, Trendsportexperte am Institut für Sportwissenschaften sowie stellvertretender Hochschulsportleiter der Universität Göttingen.
Sportissimo: Herr Dr. Göring, haben Sie heute schon Sport getrieben?
Dr. Göring: Mal sehen (lacht) – ich bin auf dem Weg zu unserem Treffen mehrere Treppen hinauf gelaufen und habe versucht, den direkten Weg zum Institut zu nehmen, um pünktlich zu unserem Interview zu kommen! Zählt das auch schon?
Sportissimo: Hört sich nach Parcour an, dem Trendsport aus Frankreich! Aber mal im Ernst, Sie erforschen Trends im Sport, was kann ein Göttinger Sportverein von dieser Diskussion lernen?
Dr. Göring: Zunächst stellt sich die Frage, wie sollten Sport und Bewegung aus soziologischer Sicht aussehen? Wenn ich da in die Göttinger Sportlandschaft schaue, fällt mir zunächst das sonntägliche Sporteln von Waspo auf. Dort werden Bewegungslandschaften für Kinder aufgebaut und die kleinen Mäuse können sich frei bewegen. Oder das KiSSBe- (Kinder-, Spiel-, Sport- und Bewegungsschule) Angebot des ASC Göttingen hat Vorbildcharakter. Denn bei diesen Sportangeboten geht es nicht um eine Fachsportart, sondern es werden die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten gezielt durch Bewegung in der Sporthalle sowie Schwimmhalle gefördert.
Sportissimo: Wie sollten Sportvereine den gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre begegnen, um keine Mitglieder zu verlieren? Dr. Göring: Ein Schlüssel sind ganz klar offene Zeiten. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Mensch zunehmend ungebundener sein will und nicht über Jahre hinweg auf eine Trainingszeit festgelegt sein möchte. Dennoch suchen Menschen jeden Alters nach einer sozialen Heimat, in der sie sich geborgen fühlen und Freundschaften leben können. Wie das FIZ (Fitnesszentrum des Hochschulsports) zeigt, können dies auch Fitnessstudios sein. Wichtig ist eine Atmosphäre zum Wohlfühlen sowie ganztägige Öffnungszeiten. Warum sollten nicht auch Sportvereine die Pforten ihrer Vereinsheime den ganzen Tag geöffnet haben?
Sportissimo: Aber wer soll denn den ganzen Tag sporttreiben? Und viel wichtiger die Frage, wie sollen die Angebote aussehen?
Dr. Göring: Na klar müssen Sportvereine zielgruppenorientiert agieren. Wichtigste Zielgruppe sind Frauen, da sie ein hohes Bindungspotential aufweisen. Dazu kommen immer mehr Migranten. In Göttingen hat der Sport ein Riesenpotential in Grone, Menschen mit Migrationshintergrund für den Sport zu begeistern. Und natürlich die Zielgruppe 50 Plus. Es sollte sich jetzt langsam herumgesprochen haben, dass es weniger Junge und mehr Alte geben wird. Darum sollte der Gewinnung von Kindern und Jugendlichen ein besonderes Augenmerk zukommen. Diese Zielgruppen können nur mit spezifischen Angeboten angesprochen werden.
Sportissimo: Wie sehen die Trends im Sport aus und welche Themen sind der Renner?
Dr. Göring: Gesundheit ist immer noch der Megatrend. Besonders Ausdauer und Fitness als Teile von Gesundheit spielen eine wichtige Rolle. Ebenfalls in diese Richtung geht Wellness als Entspannung und Selbsterfahrung. Für junge Menschen ist der Wildernesstrend von hohem Reiz. Abenteuer- und Risikosport verbinden viele Menschen mit Jugendlichkeit und suchen immer neue Grenzen. Der Teamsport erlebt derzeit den Trend, dass sich Mannschaftsgrößen verändern und kleiner werden. Futsal und Beachvolleyball sind gute Beispiele.
Sportissimo: Sportvereine in Göttingen müssen in Konkurrenz mit Fitnessstudios und anderen Anbietern um Mitglieder werben, wie sehen Sie die Erfolgsaussichten?
Dr. Göring: Ganz klar, ein gutes Angebot reicht heute nicht mehr! Es muss auch eine gute Werbestrategie dazu gehören. Ein toller Internetauftritt, öffentlichkeitswirksame Events, Anzeigen in der lokalen Presse, Plakate, Flyer oder Newsletter sind gute Instrumente, Mitglieder zu gewinnen!
Sportissimo: Wie die Diskussion um Trendsportarten zeigt, verändern sich auch die Sporträume...
Dr. Göring: ...richtig, urbane Räume werden zum Sporteln erschlossen, es entstehen neuartige Freiluftanlagen wie Klettergärten oder Golfanlagen, natürlich findet Sport auch zu Hause statt. Die klassische Sporthalle ist nur noch ein Ort unter vielen. Sportstätten müssen flexibel gestaltet sein, sollten den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen, Senioren und Frauen oder Migranten anpassbar sein! Im Hochschulsport merken wir derzeit, dass eine Halle mit vielen kleinen Räumen, in denen Kampf- und Fitnesssport oder Hip Hop sowie Tanz stattfinden, ein erfolgreiches Modell ist.
Sportissimo: Sie sind ja neben ihrer Tätigkeit als Dozent am Institut für Sportwissenschaften stellvertretender Leiter des Hochschulsports. Sehen sie den Hochschulsport als Konkurrent oder als Partner von Sportvereinen?
Dr. Göring: Ganz klar in einem partnerschaftlichen Verhältnis. Die Kooperation im Leistungssport ist sehr eng mit Vereinen, denn Leistungssportler wie Jacob Minah trainieren in Sportvereinen und Hochschulsport parallel und erringen sowohl bei Uniwettkämpfen als auch nationalen Wettkämpfen Medaillen. Hier geht es nur zusammen und nicht alleine. Aber auch kleinere Sparten wie Judo, Wasserball oder Bogenschießen nutzen die Synergieeffekte der Kooperation von Hochschulsport und Sportverein! Die Zielgruppe des Hochschulsports beschränkt sich in erster Linie auf Studenten, Sportvereine richten ihre Angebote auf Menschen jeden Alters. Dennoch muss man aktuell sagen, das dienstleistungsorientierte Angebot des Hochschulsports hat aufgrund der Breite und Flexibilität eine große Ausstrahlung auf junge Menschen in Göttingen. Hier könnten Sportvereine sich in jedem Fall steigern.
Sportissimo: Sind Sie noch aktiv Mitglied in einem Sportverein?
Dr. Göring: Oh ja, ich bin beim SV Buntenbock von 1907 e.V. als Langläufer und beim Göttinger Paddler-Club e.V. als Kanute aktiv und gehe dort meinem Hobby nach, wenn die Zeit es erlaubt.
Sportissimo: Vielen Dank für das Gespräch.
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